Berufswunsch Influencer: Ein Traum, über den ich nachdenken musste

„Bist du eigentlich Influencerin?“ Diese Frage wird mir tatsächlich immer wieder gestellt. Ich muss dann jedes Mal lachen.

Die Antwort lautet ganz klar: Nein! Mir macht Instagram einfach Spass und dass mein Account „Sabineinderkabine“ so eine grosse Reichweite hat, das war nie geplant.

Der Account wächst seit Jahren kontinuierlich und in manchen Monaten erreichen meine Beiträge weit über eine Million Aufrufe, im Mai 2026 waren es beinahe zwei Millionen. Das überrascht mich selbst vielleicht am meisten. Wer mich kennt, weiss, dass mein Instagram-Profil kein Business ist. Es ist mein Hobby. Ich zeige mich nicht vor der Kamera, ich spreche nicht in Videos und ich inszeniere keinen perfekten Alltag. Stattdessen fotografiere ich Traktoren, halte Momente aus der Landwirtschaft fest und teile etwas, das mir einfach Freude macht. Ganz unverkrampft und ohne den Anspruch, perfekt zu sein.

Vielleicht ist genau das der Grund, warum es funktioniert?

Vor einiger Zeit habe ich auf YouTube einen Beitrag gesehen, in dem es um den Berufswunsch Influencer ging. Offenbar gehört dieser heute für viele junge Menschen zu den attraktivsten Zukunftsplänen. Das hat mich nachdenklich gemacht.

Ob wirklich allen bewusst ist, was hinter einem erfolgreichen Social-Media-Auftritt steckt? Und dass dies kein Beruf mit Zukunft ist? Irgendwann ist die Luft raus, es kommen neue Trends, man wird älter, die Interessen ändern sich …

Als alles einfach begann

Als ich mit Instagram angefangen habe, habe ich mir über Reichweite keine Gedanken gemacht. Es ging nicht um Strategie, nicht um Algorithmen und schon gar nicht um Monetarisierung. Ich habe einfach das geteilt, was mich im Alltag begleitet. Damals berichtete ich vor allem über meinen früheren Job, als ich noch als Seilbähnlerin im Alpstein unterwegs war. Daher der Accountname „Sabineinderkabine„. Traktoren auf Feldern, Kühe oder einfach schöne Aufnahmen vom Landleben, das kam später zufällig dazu: Ich half auf einem Bauernhof an einer Dosiermaschine und wartete auf die nächste Ladung Heu. Die Zeit vertrieb ich mir mit einem Reel von den Traktoren, die das Heu einsammelten und mir lieferten, damit ich es abladen konnte. Und das ging durch die Decke! Plötzlich hatte ich über Nacht Hunderte neue Follower.

Dass daraus einmal ein Account mit einer so grossen Reichweite entstehen würde, hätte ich nie gedacht. Aber ich habe sowieso schon in anderen Bereichen die Erfahrung gemacht, dass etwas dann wirklich erfolgreich wird, wenn man es nicht zwingend steuern will, sondern mit Herzblut dabei ist. Gerade auf Social Media merkt man das immer wieder. Wenn das ständige Posten keinen Spass mehr macht, sollte man es einfach lassen.

Was viele wahrscheinlich am Influencer-Dasein fasziniert

Der Wunsch, Influencer zu werden, kommt selten aus dem Nichts. Viele junge Menschen sehen auf Social Media eine Welt, die kreativ, frei und unabhängig wirkt. Man arbeitet von überall, bestimmt selbst über Inhalte und erreicht im besten Fall tausende oder sogar Millionen Menschen. Dazu kommen Kooperationen, Reisen und eine grosse Sichtbarkeit. Das wirkt verständlicherweise attraktiv. Was dabei weniger sichtbar ist, ist die andere Seite. Da ist der Druck, ständig Inhalte zu liefern, dazu kommt die Abhängigkeit von Plattformen. Und nicht zu übersehen ist die Tatsache, dass sich Reichweite nicht planen lässt. Gottseidank habe ich diesen Druck nicht, mein Account trägt nichts zu meinem Lebensunterhalt bei und ich bekam bisher weder einen Traktor noch eine Reise dank Instagram geschenkt.

Influencer ist kein klassischer Beruf

Rechtlich gesehen ist Influencerin/Influencer kein geschützter Beruf. Es gibt keine Ausbildung, die direkt darauf vorbereitet und keinen klar definierten Karriereweg. Wer heute erfolgreich in diesem Bereich arbeitet, ist meist gleichzeitig Content Creator, arbeitet im Marketing oder als Unternehmerin oder Unternehmer. Das bedeutet auch, dass viel Wissen selbst angeeignet werden muss. Themen wie Kommunikation, Statistik, Markenaufbau oder rechtliche Grundlagen gehören schnell zum Alltag. Und irgendwann reicht vielleicht das Handy nicht mehr, dann muss sich die Influencerin oder der Influencer teure Technik zulegen und diese auch verstehen. Die Einnahmen führen dazu, dass Buchhaltung gemacht und die Steuererklärung ausgefüllt werden muss. Und schon können aus dem Spass, coole Reels zu produzieren, Stress und womöglich Existenzängste werden.

Wichtig zu wissen: Einkommen aus Social Media ist nicht garantiert. Es hängt von Reichweite, Kooperationen und Plattformen ab, die sich jederzeit verändern können!

Wenn Erfolg nicht planbar ist

Ein Punkt, der oft unterschätzt wird, ist die Unsicherheit. Selbst Accounts mit grosser Reichweite können plötzlich an Sichtbarkeit verlieren, wenn sich Algorithmen ändern oder Trends verschieben. Auch die persönlichen Lebensumstände spielen eine Rolle. Was in einer bestimmten Phase funktioniert, kann ein paar Jahre später ganz anders aussehen. Ich glaube, genau hier liegt die grösste Herausforderung. Social Media fühlt sich schnell und greifbar an, ist aber gleichzeitig sehr unberechenbar. Warum nicht als zweites Standbein nutzen, das Hobby zum Nebenjob zu machen, aber als Haupteinnahmequelle, da wäre ich sehr vorsichtig!

Warum eine Ausbildung unbedingt wichtig bleibt

Social Media macht Spass, man kann seine Kreativität ausleben, ich möchte diese Möglichkeiten auf keinen Fall kleinreden. Spass macht es ja auch, Inhalte zu veröffentlichen und sich so mit anderen Menschen, die gleiche Hobbys und Interessen haben, zu vernetzen. Aber eine Ausbildung oder ein Studium bieten Sicherheit und eröffnen Möglichkeiten, falls sich Prioritäten ändern oder sich der Social-Media-Bereich nicht wie gewünscht entwickelt. Gerade in einem Land wie der Schweiz mit seinem starken Bildungssystem ist diese Kombination ein grosser Vorteil.

Was ich jungen Menschen mit Berufswunsch Influencer raten würde

Ich finde es wichtig, die Träume junger Menschen ernst zu nehmen, und dazu gehört auch der Wunsch, als Influencer bekannt und erfolgreich zu werden. Wenn jemand Freude daran hat, vor der Kamera zu stehen, Inhalte zu gestalten und eine Community aufzubauen, warum sollte man diesen Weg nicht ausprobieren? Gleichzeitig würde ich den Traum immer mit einem realistischen Blick auf die Zukunft verbinden. Social Media kann durchaus eine grosse Chance sein. Es kann Türen öffnen, kreative, selbstständige Arbeit ermöglichen und, wenn es gut läuft, zumindest eine Zeit lang zum gut bezahlten Beruf werden.

Würde mich ein Teenager nach Rat fragen, wäre meine Antwort: Mach eine Ausbildung, die zu dir und deinen Interessen passt und dir gleichzeitig Fähigkeiten vermittelt, die du auch für Social Media nutzen kannst. Marketing, Kommunikation, Mediamatik, Grafikdesign, Fotografie, Film und Video oder auch eine Ausbildung im Detailhandel, im Tourismus- oder Eventbereich können interessante Wege sein. Je nach Persönlichkeit und Interessen kommen natürlich noch viele andere Berufe infrage.

So muss das eine das andere gar nicht ausschliessen. Im Gegenteil: Vielleicht lernst du in deiner Ausbildung genau das, was dir später als Influencer zugutekommt, und hast gleichzeitig einen Beruf, auf den du dich verlassen kannst.

Mein persönlicher Gedanke

Ich freue mich für jeden Menschen, egal wie jung oder alt, der erfolgreich etwas Eigenes aufbaut und seine Kreativität ausleben kann. Gleichzeitig glaube ich, dass man ein zweites Standbein nicht unterschätzen sollte. Es ist riskant, das eigene Einkommen von den sozialen Medien abhängig zu machen.

Ein Plan B oder ein weiteres Standbein sind einfach wichtig.

Ich selbst sehe meinen Instagram-Account nach wie vor als das, was er für mich immer war: ein Hobby, das mir Spass macht. Ich versuche nicht krampfhaft Content zu produzieren und kann auch mal eine Weile gar nichts machen. Ich verliere nichts dabei. Würde mir jemand eine Kooperation anbieten, hätte ich wahrscheinlich nichts dagegen. Aber ich suche nicht bewusst danach und bin da ganz entspannt.