Die Schweiz schreibt kein Eszett
Das Eszett gibt es auf der Schweizer Tastatur nicht und die Regeln, wie es richtig eingesetzt wird, kennt hierzulande fast niemand. Es sei denn, man ist Texterin oder Journalistin und schreibt auch für Kunden aus dem deutschsprachigen Ausland.
Dass ist nicht mehr daß
Ich habe als Kind in Deutschland die Anwendung des «scharfen S», wie das Eszett auch bezeichnet wird, ganz selbstverständlich gelernt. Das ist lange her und inzwischen wurde die deutsche Rechtschreibregelung gründlich aktualisiert. Nicht nur, dass es nun auch ein grosses Eszett gibt, so werden längst Wörter wie dass, Nuss oder Russland mit einem doppelten s geschrieben. Dass «dass» nicht mehr «daß» geschrieben wird, hätte ich wohl vollkommen verpasst, wäre es nicht für meinen Job relevant.

Wann hat die Schweiz das Eszett abgeschafft?
Die Schweiz hat sich vor rund 80 Jahren landesweit für ein doppeltes «s» entschieden. Es wurde vereinzelt in den Schulen der Schweiz und Liechtensteins noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts gelehrt, aber etwa ab den zwanziger Jahren immer häufiger durch das Doppel-s ersetzt. Spätestens in den dreissiger Jahren verschwand das Eszett in allen Schweizer Kantonen aus dem Schulunterricht. Anlass war der Beschluss im bevölkerungsreichsten Kanton, nämlich Zürich, ab 1. Januar 1938 nur noch das Doppel-s zu lehren.
Eine offizielle Regelung zur Abschaffung des Buchstabens gab und gibt es jedoch nicht, allerdings wird er bei amtlichem Schriftverkehr seit 2006 nicht mehr geschrieben. Die NZZ (Neue Zürcher Zeitung) verwendete das Eszett bis zum 4. November 1974. Da aber der Buchstabe ß zu dem Zeitpunkt schon fast drei Jahrzehnte aus dem Deutschunterricht an Schweizer Schulen verschwunden war und von externen Journalisten und Agenturen folglich immer weniger Texte mit dem Eszett kamen, wurde es letztendlich viel zu aufwendig, alle entsprechend zu korrigieren.
Ist das Eszett wirklich komplett aus der Schweiz verschwunden?
Tatsächlich kommt man auch hierzulande nicht so ganz drumherum, das Eszett eben doch hin und wieder zu verwenden. Schweizer Buchverlage, die ihre Bücher auch in den deutschsprachigen Nachbarländern verkaufen möchten, verwenden es nach wie vor.
Ich habe auch schon WhatsApp-Nachrichten von Schweizerinnen und Schweizern bekommen, in denen das ß vorkommt. Auf Nachfrage wussten sie allerdings nie, wovon ich rede. Hier hatte ganz klar die automatische Schreibhilfe des Smartphones eingegriffen. Und neulich erreichte mich eine Mail, in der zu lesen war: «Am Ende von unserer Straße gibts ein herziges kleines Café und hier genieße ich jetzt erstmal ein kühles Getränk, bevor ich mich an die Arbeit mache.» Ziemlich sicher hat in diesem Fall die KI geschrieben, nicht meine Kollegin.
Texte für Schweizer, deutsche und österreichische Kunden schreiben
Bei Texterstellung für Schweizer Seiten fällt also das Eszett weg. Deshalb ist es auch auf dieser sowie auf meinen anderen Webseiten nicht zu finden. Hin und wieder machen mich Leser aus dem Ausland darauf aufmerksam. Ich habe deshalb meinen schon etwas älteren Text zum Thema «Schweiz und Eszett» bewusst hier neu veröffentlicht und denke, nun sollte allen klar sein, dass es sich nicht um fehlerhafte Texte handelt, sondern ganz einfach um Schweizer Rechtschreibung. Die Schweiz schreibt kein Eszett. Ob es sich auf Dauer in Deutschland halten wird? Schau’n wir mal!
Selbstverständlich schreibe ich Texte für Kunden aus dem deutschsprachigen Ausland jeweils nach ihren Regeln und verwende dann auch die landestypischen Begriffe.